Der Kreislauf der niemals endet

Eine Woche in einer depressiven Phase, ist verdammt anstrengend, für mich und auch für mein Umfeld. Nichts spricht für Selbstverständlichkeit, aber ich muss gestehen, dass ich wirklich die besten Freunde habe. Allein die Tatsache, nicht zu wissen, ob man den Heimweg nach der Arbeit schafft und eine Freundin spontan sagt, man solle doch kurz vorbei kommen , um Kraft zu tanken, spricht wirklich für die Menschen, die in meinem Leben einen besonderen Platz haben. So eine Woche, in der man Spätschicht hat und der eigene Partner es nicht so mitbekommt, ist einerseits gut, andererseits auch ein sehr beklemmendes Gefühl. Die getrübte Stimmung legt sich in den ganzen Kopf und es kommt so viel von der Vergangenheit hoch, dass man sich am liebsten den Kopf abreißen würde. In solchen Situationen wünscht man sich als junger Mensch eigentlich nur eins: Eltern, die dich als Kind mal auffangen und in den Arm nehmen. Tja hab ich nicht und werde ich auch niemals mehr haben. Eine Mutter, die mich schon als Kleinkind verstoßen hat und ein Vater, der aufgrund eines Kontaktverbotes in frühen Kinderjahren, niemals wieder den Draht zu mir gefunden hat, kann man nicht Eltern nennen. Meinem Vater mache ich keine Vorwürfe, denn er saß am sehr kurzen Hebel, als meine Mutter dies damals in die Wege leitete. Natürlich haben wir jetzt Kontakt, aber er ist nun mal nicht in meiner Nähe. Die Fragen, nach dem Warum und Wieso, ich ein so schreckliches Kind gewesen sein musste, wenn man es im Kleinkindalter schon weggibt, beschäftigen mich nach wie vor. Viele meiner Probleme und Sorgen, muss ich alleine lösen und doch gibt es ein paar Menschen in meinem Leben, die ich zwar noch gar nicht so lange kenne und dennoch, möchte ich sie nie wieder missen. Aus einem sporadischen Plausch, wurde eine Trauzeugin und ich zähle sie zu meinen engsten und besten Freunden. Aus einer verrückten Blondine, die zufällig nebenan wohnt, wird eine tolle Gesprächspartnerin und auch hier einfach eine Freundin. Dem Alter nach könnte sie sogar meine Mutter sein, was mich oft in meinen Gefühlen zurückhalten lässt, denn auch sie hat ihre heftigen Päckchen zu tragen. Keiner kann wirklich helfen, wenn ich wieder einmal in dem schwarzen Loch stecke und so dermaßen hart auf den Boden aufschlage, aber sie sind da. Sie hören zu, sie versuchen mich aufzuheitern und fragen einfach mal nach, wie es mir geht. Mir selbst ist das sehr unangenehm, wenn ich diese schreckliche Phase habe und ich würde mich am liebsten für diese Zeit in den Keller einsperren. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich lieber nur mit der Manie, statt mit der Depression leben. Medikamente sind für mich keine Option, weil ich mich dann nicht mehr als Mensch fühle. Leider ist es jetzt so schlimm gewesen, dass ich mich wieder selbst verletzt habe, dass muss unbedingt aufhören. Ich war so lange davon weg, dass ich dachte, es wäre kein Teil mehr von mir. So kann man sich irren. Dass mein Mann, nicht schon längst das Weite gesucht hat, spricht für ihn und sein Vertrauen in mich und auch in unsere Ehe. Er wusste, dass ich nicht normal bin und trotzdem hat er mich geheiratet. Dass da noch ein schweres Päckchen dazu kommt, wussten wir beide nicht und ich könnte ihm auch nicht verübeln, wenn er das nicht mit mir durchstehen möchte. Es ist verdammt anstrengend, nicht nur für mich, nein für alle. Die richtigen Worte in einem Gespräch zu finden, fällt mir sehr schwer, deshalb bin ich froh, die Gabe zu haben, es halbwegs verständlich in die Tastatur zu hämmern. Dies ist ein Danke schön an all meine Freunde, die sich trotz dieser beschissenen Diagnose, nicht von mir abgewandt haben. Ihr wisst, ich würde für euch durchs Feuer gehen und für euch kämpfen bis aufs Blut. Es ist schön zu wissen, doch nicht ganz allein zu sein. Die Frage für mich ist, nach einem Jahr mit dem Scheiß, wird es jemals besser oder gar noch viel schlechter? Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie sich mein bester Freund gefühlt haben muss. Gefühle zu zeigen, war nie meine Stärke, da ich immer alles alleine bewältigen musste, deshalb fällt mir das jetzt auch unheimlich schwer. Mir ist zum Heulen zumute, aber anstatt es mal raus zu lassen, bestrafe ich mich selbst durch Schmerz. Das ist ein schier unendlicher Kreislauf, aus dem man eigentlich ausbrechen möchte. Ich hoffe, dass es irgendwann erträglicher wird und mich diese Schwankungen nicht immer so wegschmeißen.

29.6.18 17:35, kommentieren

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Der tägliche Wahnsinn mit der BiPo

Damals, als mein bester Freund mit der Diagnose der bipolaren Störung um die Ecke kam, konnte ich mir nichts weiter darunter vorstellen, außer dass er extreme Stimmungsschwankungen hatte. Bei ihm trat die Störung in der Manie sehr extrem auf, denn er verschuldete sich und war in der Manie nur geprägt von Ausflügen. Diese Ambitionen kann ich Gott sei Dank an mir noch nicht feststellen. Bei mir drückt es sich eher durch extremen Schlafmangel, Sport und auch Hausarbeiten aus. Normalerweise bin ich im Haushalt ein extremer Muffel, aber am richtigen Tag, kann ich das gesamte Haus allein säubern und Aufräumen. Oder ich stelle mich drei Stunden in die Sonne und kratzte das Unkraut aus unserer Einfahrt, welche mit 50 Quadratmetern nicht gerade klein ist. Bisher kann ich nichts Negatives über die Manie sagen, denn sie halten wirklich nur ein oder vielleicht mal zwei Tage. Die Depression ist für mich da schon weitaus schlimmer. In dieser Phase fällt der Alltag mir unheimlich schwer. Leider bin ich dann auch ein Mensch, der nicht jammert und mit anderen das Gespräch sucht, sondern ich fechte das mit mir selber aus. Ist nicht die beste Lösung, aber ich denke einfach, dass mein Umfeld, einfach nicht in der Lage ist das alles zu kompensieren. Ich habe ganz liebe Freunde und auch den besten Ehemann, so dass es mir umso schwerer fällt dort meine negative Phase auf den Tisch zu bringen. Auf der Arbeit fällt es dann besonders ins Gewicht. Nur wenige Ausnahmen wissen von der vorhandenen Störung und gehen damit sehr gelassen um und versuchen mich dann an dem Tag nicht ganz so zu fordern. Leider gibt es aber auch Menschen, die mit Ihrer Dummheit und ihrer Inkompetenz mein dickes Fell stark reizen und sich dann wundern, wenn sie von mir nur noch sarkastische Antworten bekommen. Der extreme Schlafmangel trägt dazu bei, dass ich zwar meine Arbeit, da es viel Routine ist, meistern kann, aber es sorgt auch dafür, dass ich ab und an sehr pampig und gereizt reagiere. Ich kann das aber nicht abstellen oder ändern. Das einzige, was ich dann machen könnte, wäre zum Arzt zu gehen und mir eine kleine Auszeit zu gönnen. Leider wiederstrebt das aber meinem Charakter so dermaßen, dass ich mich also tagtäglich zur Arbeit quäle. Von Montag an, werden dann die Tage bis zum Wochenende gezählt. Wenn wir mal auf Partys eingeladen sind, dann vermeide ich absoluten Alkoholkonsum, da ich einfach Angst habe, die Kontrolle zu verlieren. Die einzige Wohlfühlzone ist für mich das Fahrrad. Dort kann ich endlos entspannen, sogar in einer depressiven Phase. Die Musik in den Ohren, die endlos schöne Landschaft und einfach das Gefühl, den Körper in bis ans Limit zu treiben, spornen mich an und die Stecken werden dadurch mittlerweile immer weiter. Jenseits der 50 km Marke kommt dann erst der Punkt, wo ich nach Hause, duschen und mich dann entspannt auf die Sonnenliege legen möchte. Natürlich ernte ich dafür nicht nur positives Feedback, aber die Leute, die mich für verrückt erklären, wissen einfach nicht, wie es ist in diesem Kreislauf der Extreme gefangen zu sein. Ich kompensiere bisher noch alles ohne Medikamente, weil ich ein Gegner der medikamentösen Therapie bin. Das war ich im Studium schon und werde ich auch weiterhin sein. Natürlich weiß ich, dass irgendwann der Punkt kommt, wo es ohne nicht mehr geht. Aber solange ich es kann, wird es hinausgezögert. Auch der Gedanke der Frührente, zerbricht jegliche Vorstellung eines harmonischen Lebens, denn der finanzielle Aspekt verbreitet enorme Bauchschmerzen in mir. Klar sagt es sich leicht, dass man doch jetzt lebe und doch alles genießen sollte, aber das ist immer leichter gesagt, wie getan. Über Harmonie zu Hause kann ich mich nicht beklagen, bis auf ein paar kleine verbale Auseinandersetzungen, die aber im Keim erstickt und gelöst werden, läuft es besser denn je. Ich glaube das liegt auch daran, dass ich mich mittlerweile selbst gut im Griff habe und Konfrontationen scheue, aus Angst, dass es so enden könnte, wie in meiner langjährigen ersten Beziehung. Alles in allem lässt es sich mit einer bipolaren Störung noch ganz gut aushalten. Die Gewissheit, dass meine Schwankungen endlich einen Namen haben, lassen es ein wenig positiv wirken. Die Tatsache, dass sich aber mein bester Freund mit dieser Diagnose, gegen das Leben entschieden hat, trübt das ganze ungemein. Wie sieht es in ein paar Jahren aus? Hält das eine Ehe aus? Hält das der Job aus? Das sind Fragen, die einen nicht wirklich zur Ruhe kommen lassen. Leider kann man aber nicht Hellsehen, sondern man kann nur versuchen, es auszuprobieren. Scheitert es, tja was dann. Das sind aber Dinge, mit denen man sich nicht allzu viel beschäftigen sollte, denn sonst kommt man aus der depressiven Phase nicht so schnell heraus.

11.6.18 14:19, kommentieren