Der Hulk in vollendeter Diagnose

Seit langem hat Bruce Banner gemerkt, dass etwas nicht stimmt, denn der Hulk kommt immer nur Phasenweise zum Vorschein, und auch noch dann, wenn eigentlich alles in Ordnung zu sein scheint. Also suchte er sich professionelle Hilfe, ohne erst einmal mit seinen Lieben darüber zu sprechen, da er niemanden verunsichern wollte. Es waren zwei Termine nötig, um endlich Gewissheit zu haben, was denn da nicht stimmen kann. Heute gab es dann die Diagnose, von einem Professor, der dem jungen Menschen aber gut zuredete, während die Worte der Diagnose Ihren Weg, durch den Kopf suchten. Es drehte sich plötzlich alles und Erinnerungen wurden hervorgerufen. „Sie leiden an einer mittelgradigen bipolaren Störung“. Bääämmm. Das saß. Aufgrund des Studiums, wusste ich genau was das heißt. Natürlich hatte man selbst schon den Gedanken, aber glauben will das doch niemand. Der Professor sprach weiter, doch die Stimme war plötzlich so weit weg, dass gar nicht alles ankam. Reicht es denn nicht eine PTBS zu haben, muss es denn nun noch eine bipolare Störung sein. Die erste Frage war: Warum? Warum ich? Und danach, wie kommt man denn an so eine Störung? Für Laien ganz einfach erklärt. Die Krankheit zeigt sich durch phasenhafte, zweipolig entgegengesetzte (=bipolare) Extremschwankungen der Stimmung, des Antriebs und der Aktivität. Diese weit über das Normalniveau hinausreichenden Auslenkungen pendeln dabei abwechselnd zwischen Depression (Niedergeschlagenheit) und Manie (der Drang etwas zu tun) und sind durch die Betroffenen willentlich nicht mehr kontrollierbar. Quasi der Hulk unter den Psychischen Krankheiten. Ich meine, ich wollte schon immer mal ein Avanger sein, aber nicht unbedingt der Hulk, denn es gibt wahrlich hübschere. So die Diagnose stand nun also im Raum. Jetzt ging es darum, mit einem Psychologen darum zu feilschen, welche Therapie und Medikamente möglich sind. Dass es teilweise schon sehr hart ist damit zu arbeiten, ist dem Hulk schon eine ganze Weile aufgefallen, aber er kämpfte. Er will auch weiterhin darum kämpfen, denn ein Leben ohne Beschäftigung kommt ihm einfach nicht in die Tüte. Da grübelt man nämlich noch viel mehr. Also ging es darum, Medikamente zu finden, die dabei helfen einen geregelten Tag und eine erholsame Nacht zu finden. Jeder der Bruce kennt (vor allem sein Ehepartner), weiß was Bruce/Hulk von Medikamenten hält. Nämlich nix. Aber nun kam er nicht mehr drum herum. Eine Freundin gab damals etwas für die Nacht, dass darf auch genommen werden, gering dosiert und nicht so spät, sonst kommt man morgens nicht in den Tritt. Und für tagsüber darf es sogar etwas pflanzliches sein. Schnell waren sie auf einem gemeinsamen Nenner. Nun kam das Schwierige, das Studium und die eigentlich geplante Selbständigkeit. Für das Studium gab der Professor erst einmal grünes Licht, denn er weiß wieviel Zeit und Arbeit Bruce darin investiert hatte und bisher sind alle Prüfungen gut gelaufen. Dass eine bipolare Störung nicht von heute auf morgen kommt, weiß ein Student der Psychologie und man versucht jetzt natürlich die Ursache zu finden. Diese sind sehr weitreichend. Von Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung und Trauma ist alles dabei. Aber der Professor meint, man solle lieber nach vorne, statt zurück blicken bei dem Störungsbild. Ist leichter gesagt wie getan. Man grübelt und denkt nach, warum denn noch mehr. Ist man mit einer PTBS nicht schon genug gestraft. Fordert dies nicht schon genug von einem und seinen Lieben. Die Frage nun, wie bringt man dies seiner besseren Hälfte bei. Er hat doch schon genug mit einem durchgeknallten Hulk zu tun, muss denn jetzt noch ein zweiter dazu kommen? Eine Hand voll lieber Menschen wird diese Nachricht bekommen, denn bei denen ist sich Bruce sicher, dass sie den auftretenden Hulk nicht fallen lassen. Der Professor hat Hulk erstmal eine Frist bis Mitte September gesetzt, wo die Medikamente anschlagen und wirken können. Eine Gesprächstherapie bleibt dem Hulk selbst überlassen, denn was will man denn einem vom Fach erzählen, wenn man weiß wie man es vertuschen kann. Dass Bruce schreibt findet er gut und soll so beibehalten werden. Die extremen Radtouren sollten besser kontrolliert werden, da aber immer ein Handy dabei ist, sieht Hulk da weniger ein Problem drin. Es erklärt nur endlich, warum der Hulk selbst nach über 40 Km keine Ruhe findet. Ein kleiner Scherz der Professors: Na dann machen Sie doch beim Iron Man mit. Sehr witzig, der Mann J. Irgendwann war es eine lockere Gesprächsrunde und Bruce schilderte dem Professor eine Sorge aus seiner Vergangenheit. Der beste Freund hat sich nach dieser Diagnosestellung das Leben in einer Psychiatrischen Anstalt genommen. Leider sind Patienten mit einer bipolaren Störung stark suizidgefährdet, es kommt aber immer auf jeden einzelnen drauf an. Im Moment gehen wir einfach mal nicht vom schlimmsten aus, sondern versuchen uns zu sortieren. Eventuell den Urlaub nutzen, um mit der neuen Situation klar zu kommen und offene Gespräche mit den liebsten und den besten Freunden führen, um einfach Risiken abzuklären. Für das Umfeld eines psychisch Kranken ist es nicht immer leicht, gerade Verständnis für eine Situation aufzubringen, daran müssen jetzt alle Beteiligten arbeiten und vor allem Kommunizieren. Erstmal lassen Bruce und auch Hulk diesen Tag sacken und versuchen das Karussell im Kopf ein wenig zu bremsen.

27.7.17 18:32

Letzte Einträge: Emotionen auf der Hindernisbahn, Das Ventil der Seele, Ein nicht immer einfacher Job, Ein auf und ab

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen