Emotionen auf der Hindernisbahn

Alle haben Sie, aber keiner kann sie kontrollieren. Die Emotionen. Da sie jeder hat, man sie trainieren kann und sie eventuell perfektionieren kann, nenne ich sie liebevoll *Avangers*. Emotionen sind was feines, wenn man mit ihnen klar kommt. Manchmal sind sie zur falschen Zeit am falschen Ort und manchmal fehlen sie gänzlich. Ich persönlich mag sie an mir überhaupt nicht, denn sie verweichlichen mich, in meinen Augen. Vor ein paar Jahren, hatte ich es geschafft, sie gänzlich zu kontrollieren und abzuschalten. Leider wurde mir dann oft Herzlosigkeit unterstellt, da andere Menschen damit überhaupt nicht zurechtkommen. Weinen war einfach nicht mehr möglich und auch heute empfinde ich es als sehr großes Hindernis. Aber Emotionen gehören einfach in unser Leben. Ob nun gewollt oder ungewollt. In mir herrscht gerade so ein dermaßen riesiges Emotionschaos, dass nicht mal Captain America sowas sortieren könnte. Jeder Mensch, danke an Sigmund Freud, hat drei Persönlichkeiten. Das Ich, das Über-Ich und das Es. Ich habe diese drei Persönlichkeiten für mich neu sortiert um sie besser zu verstehen. Das Ich ist das, was ich bin. Also mein Charakter, meine Emotionen und meine Entscheidungen. Das Über-Ich ist quasi die Diva unter den Persönlichkeiten, ich verstelle mich und versuche mein Ich zu verarschen. Das Es ist für mich die Erniedrigung der beiden Ich´s und wird nur negativ auf sich bezogen. Nicht vergessen, das ist meine eigene Definition. Aber kommen wir zurück zu den Emotionen. Wenn man sich jahrelang einen Panzer um sich gebaut hat, ist es schwer Emotionen zu zeigen oder gar Zuzulassen. Wenn nun die richtigen (dachte ich eigentlich) Menschen in dein Leben treten, fangen deine Emotionen an aufzumucken und wollen plötzlich wieder mitspielen. Du musst sie also Trainieren. Da ich ein riesiger Avanger Fan bin, sind meine Emotionen gleichzusetzen mit dem Hulk (Bruce Banner, wenn er nicht gerade Hulk ist). Ich bin ruhig, gelassen und kann eigentlich keiner Fliege was zu leide tun, es sei denn man reizt mich so sehr, dann fahre ich aus meiner Haut und werde zum Hulk. Seit ein paar Jahren jetzt habe ich einen lieben Mann an meiner Seite, der mir Schritt für Schritt zeigt, wie man seine Emotionen benutzt und in welchen Situationen sie angebracht sind. Er ist in diesem Fall Iron Man. Quasi der Mentor in der Avanger Akademie. Auch einige meiner Freunde (es sind nicht viele), trainieren mit mir zusammen und zeigen mir, dass man auch selbst mal Emotionen zeigen darf. Der Nachteil ist, dass dein Panzer verschwindet und deine Haut immer dünner wird. Du wirst also verletzlich, wenn du nicht im Hulkkostüm steckst. Und dann kommt der Moment wo du die Hindernisbahn des Lernens verlässt und dich eigentlich im Alltag wohl fühlst. Sicherlich, nicht alles ist cool und es gibt Situationen, wo du dir deinen grünen Freund wünschst, aber ich habe gelernt, mit dem kommst du nicht immer weit. Seit ein paar Monaten ist es geschafft und Bruce Banner, kann seinen Hulk kontrollieren. Und dann, genau dann kommt er, Thors Hammer, der dich so hart an deiner Brust triffst, dass du Schnappatmung bekommst und deine Gedanken sich nicht in Worte fassen lassen. Du triffst einen Menschen, der super lieb ist, aber er verstellt sich seit Jahren, um jemandem zu gefallen. Ist so nicht das Problem, denn wenn man alleine mit dem Menschen unterwegs ist, ist das alles easy und man hat viel Spaß zusammen. Dieser Mensch hat ein sehr cooles Ich. Um dem Menschen, mit dem der Mensch zusammenlebt zu gefallen legt man sich ein Über-Ich zu. Muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn ich aber nur mit dem coolen Ich abhänge und dann plötzlich an einem Abend dem Über-Ich gegenüber sitze, ist das seelische Grausamkeit. Bruce Banner unterdrückt den Hulk und bringt den Abend rum. Und nun geht es los. Die Emotionen in Bruce geraten so dermaßen durcheinander, dass der Ruhepuls bei 120 liegt. Der Kopf dröhnt, die Brust zieht sich zusammen und man merkt, wie die Wut in einem aufsteigt. Um den Abend aber nicht zu ruinieren, schluckt man alles runter, ja man erstickt fast daran, nur weil man das eigentliche Ich, das nun vor einem sitzende Über-Ich sehr gern hat. Man zerstört sich also selbst. Iron Man merkt, dass der Hulk innerlich kocht und versucht den Abend zu retten, was ihm auch super gelungen ist. Die Frage, die sich jetzt aber Bruce Banner stellt: Warum tut sich ein Mensch sowas an? Warum zerstört man sein cooles Ich? Warum zeigt man ein so ekeliges Über-Ich? Bemerkenswerter finde ich dann eher den Kraftaufwand. Der Mensch der sich sowas antut, braucht sich nicht wundern, dass er Stress hat, denn es ist sehr sehr anstrengend, sein Ich zu unterdrücken und das Über-Ich zu zeigen. Ich darf mich aber an dieser Stelle einmal selber loben, denn der Hulk kam nicht zum Vorschein, sondern legte sich brav ins Bett und haderte mit sich selbst. Manchmal ist es Fluch, wenn man mittlerweile die Psychologischen Hintergründe einiger Verhaltensweisen erkennt, kennt und akzeptieren muss. Ich für meinen Teil, muss wieder lernen, dass Emotionen für mich einfach nicht gut sind, denn sie zerstören meinen ganzen Tagesablauf, wenn ich nach so einem Hammer von Thor getroffen werde. Ich habe den Menschen mit dem Über-Ich dennoch sehr lieb, bin mir nur nicht ganz sicher, wie ich das jetzt ausblenden soll. Ich mag das Ich in diesem Menschen.

17.7.17 18:06

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