Was ist grenzenlose Freiheit?

Ist es einfach in Freiheit zu leben? Ist es einfach frei zu denken, ohne es auszusprechen? Was genau ist es? Was sie für mich ist: Den Helm aufzusetzen und einfach mit dem Quad davon fahren, ohne was zu denken, ohne was zu fühlen, außer den Wind um die Nase. Im Moment versuche ich meine Freiheit zu finden. Ich bin nicht gefangen, jedenfalls nicht sinnbildlich gesehen. Aber irgendwie bin ich es doch. Seit zwei Wochen nun quäle ich mich durch die Nächte, finde keine Ruhe und somit auch nicht wirklich in den Schlaf. Die Erinnerungen an 2010 werden wieder wach. Wie ein Zombie funktionierte ich. Ging arbeiten, machte mein Abitur via Fernstudium und wurde geplagt von Flashbacks. Nachts bin ich dann Joggen gegangen, oder habe stundenlang Filme geschaut. Bis vor zwei Wochen, war alles in Ordnung. Wie ein Kind habe ich mich auf meinen Urlaub gefreut, weil ich das Ausschlafen genießen wollte, wollte meinem Mann tatkräftig beim Umzug unter die Arme greifen und auch mir einfach ein paar wundervolle Tage machen. Und nun? Nun quäle ich mich durch jede Nacht und durch jeden Tag. Das tägliche Pensum wird erledigt, aber ich komme aus dem Gedankenkarussell nicht heraus. Freunde versuchen zu helfen, worüber ich so dermaßen glücklich bin, denn als es mir 2010 so richtig schlecht ging, war ich meist alleine. Gefangen im eigenen Kopf, das ist die Hölle auf Erden. Mentale Folter, körperliche Folter, all das kenne ich aus meinen Einsätzen, aber ich bin nicht mehr im Einsatz, ich bin in Deutschland, wo es eigentlich relativ sicher ist. Ich versuche das Problem zu finden, aber ich finde es nicht. Die Gefühlswelt ist für mich derart durcheinander, dass ich nicht klar denken kann. Als ich heute auf meinem Quad saß, liefen mir die Tränen durch das Gesicht. Die Angst durchzudrehen und einen Fehler zu machen, ließen mich mehrmals anhalten. Der Krieg ließ meine Tränen verschwinden, wie ein Regentropfen, der in der Wüste auf den heißen Sand trifft. Er war verpufft. Mein Mann schaffte das unmögliche und meine Gefühle kamen zurück. Und jetzt? Jetzt finde ich mich in der Vergangenheit wieder und bin völlig durcheinander. Ist es der Schlafmangel, der mich zerfrisst, sind es die Flashbacks, die mich irre machen oder spielen mir meine Sinne einen Streich. Lange habe ich nicht mehr diese Leere gefühlt in mir. Damit umzugehen ist nicht einfach. Mir wird Mut zugeredet, Freunde fragen nach und machen sich wirklich Gedanken, was mit mir los ist. Nun sitze ich hier, es ist dunkel draußen, mein Mann schläft und ich sollte auch schon längst schlafen. So viele Fragen gehen durch meinen Kopf. Wo ist die Belastungsgrenze, wieviel hält ein Mensch aus? Die Erlebnisse in der Welt und wie die Menschheit mit sich umgeht, stimmt mich nachdenklich. Die Zeit kommt näher, wo ich mich den ganzen Tag am liebsten verkriechen möchte und an Dinge denke, die eigentlich gar nicht zu mir passen. Hab ich nicht immer gekämpft? Ob in meiner Kindheit oder in einem Krieg, den ich nicht angezettelt habe. Ist man es einfach leid zu Kämpfen? Für seine Freiheit zu kämpfen? Aber was ist, wenn man sich nicht frei fühlt? Ab wann ist es denn dann Freiheit? Wenn man sich für einen Weg entscheidet, der eigentlich gar kein Ausweg ist? Hilfe anzunehmen, war nie mein Ding, weil ich zu oft enttäuscht wurde. Nun habe ich Vertrauen zu Menschen aufgebaut, wo ich mir eigentlich sicher bin, dass sie mich nicht enttäuschen würden. Die Überwindung sich dann zu öffnen, ist der Schritt, der mich unheimlich blockiert, aber warum? Was hab ich denn zu verlieren, außer dem Verstand und eventuell mein gemütliches Leben.

23.4.17 21:27

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