Der Horror sind die Flashbacks

Lange lebe ich nun schon damit, dass ich Menschen aus dem Leben gerissen habe, dass ich Bombenangriffe auf mein Fahrzeug oder auch auf das Camp überlebt habe, ohne einen Kratzer. Doch nun dreht die Welt sich so schnell im Kreis, dass mich das alles wieder einholt. Die Anschläge in Deutschland und die Angriffe großer Nationen auf kleinere häufen sich. Die Nächte zu schlafen, fällt mir unheimlich schwer. Nach außen hin merkt es kaum jemand, denn ich lasse mir nicht viel anmerken, wie es in mir aussieht. Auf der Arbeit muss ich mich zusammenreißen, dass ich den Lauten Stimmen und auch das Anfassen am Arm, nicht als Angriff auffasse und jemanden verletzte. Die Anspannung im Körper ist dermaßen groß, dass der Kreislauf nachgibt und mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Hinterhältig Menschen aus dem Leben zu reißen ist feige. Und was hab ich getan? Hab ich nicht über 1000 Meter entfernt irgendwo gelegen und Menschen hinterhältig aus dem Leben gerissen? Waren sie wirklich alle Schuldig im Sinne meines Auftrages? Haben diese Menschen keine Familien gehabt? Kinder, die sich freuen, wenn die Eltern unversehrt nach Hause kommen. Haben Eltern ihre Kinder angestiftet, Sprengstoffgürtel zu tragen oder mit Waffen, auf Soldaten zu schießen? Das sind Fragen, die durch den Kopf gehen, wenn man die Berichterstattung der Nachrichtensender hört. Der Auslöser war ein Bombenanschlag, auf meinen Lieblingsfußballverein. Da wurde auch berichtet, dass unbekannte Täter eine unschuldige Sportmannschaft hinterhältig angegriffen haben. Das dabei nur ein verletzter Spieler heraus kam, war ein Wunder und ich bin froh darüber, dass es keine Toten gegeben hat. Nun liegt man nachts in seinem Bett und denkt nach. Was ist denn los auf der Erde? Muss denn so viel Blut fließen? Muss ein anderer, dem anderen beweisen, dass er größere Eier und auch die größeren Waffen hat? Ich bin nicht stolz auf meine Taten, auch wenn die amerikanischen Streitkräfte das anders sehen. Ich habe einen Job gemacht, wofür ich mir oft durch Befehlsverweigerung hohe Geldstrafen eingehandelt habe. Verweigert um Menschenleben zu retten, die dann durch einen anderen ausgelöscht wurden. Es ist ein Teufelskreis. Dann ließt man im Netz Kommentare wie: *Die sollen sich nicht so anstellen, ist doch nix passiert.* oder *die kriegen doch Geld fürs Spielen.* Da wird einem wirklich schlecht. Diese Menschen haben noch nie in einem Fahrzeug gesessen, was auf eine Mine oder einen versteckten Sprengsatz auffährt und in drei Teile zerrissen wird. Diese Menschen liegen mit Ihrem Arsch auf der Couch und wissen überhaupt nicht, wie laut so eine Explosion ist. Sie kennen diese Explosionen nur aus der Dolby Surround Anlage, wenn Actionfilme laufen. An diesen Leuten sind noch keine Kugeln am Kopf vorbei geflogen, außer im 3D Kino. Und dann muss man ruhig bleiben. *Dem Terror keine Chance geben, einfach weiter machen.* genau das sind Worte, die bei einem Opfer durch Terror unmerklich Tränen und Verkrampfungen auslösen. Natürlich steckt jeder Mensch sowas anders weg, aber spurlos geht das an niemandem vorbei. Die Tränen der Spieler am Mittwoch haben gezeigt, dass sie überhaupt froh sind, noch am Leben zu sein. Sie konnten am Dienstag Abend zu ihren Familien gehen und Ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Der Schock wird noch Tage/Wochen oder sogar Monate und Jahre in den Knochen sitzen, denn einem Bombenanschlag unbeschadet zu überstehen, grenzt an ein Wunder. Der verletzte Spieler wird enorme psychologische Hilfe brauchen, bis er sich auf seinen Job wieder konzentrieren kann. Dann denkt man nach einem Tag, ok es muss weitergehen. Dann hat der Amerikaner nichts Besseres zu tun, als die Mutter aller Bomben, auf einen Ort zu schmeißen, wo Terroristen vermutet werden. Die Luft bleibt weg, der Kopf dreht sich und einem wird richtig schlecht. Lange hab ich diese Sachen verdrängen können und nun tauchen sie wieder jeden Tag auf. Mein Mann und ich waren froh, dass es halbwegs normal wurde, dass ich mal einen Alptraum hatte, aber nun kann ich nicht einmal mehr richtig schlafen. Aber ich muss funktionieren, der Job, das Studium und private Veränderungen. Ich war so stolz, dass es einfach ruhiger wurde. Die Welt macht mich fertig. Du suchst die Ablenkung, aber nicht immer findet man sie. Wird es irgendwann besser? Wird es irgendwann verblassen?

14.4.17 07:16

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