Zurück am Hindukusch

Ohrenbetäubender Lärm, ein Knall der das ganze Haus erschüttert. Aus Reflex drehst du dich auf den Bauch und hältst dir die Hände über den Kopf. Eine kurze Pause und du hebst den Kopf, um dich zu orientieren. Dann der nächste Knall, als ob jemand ein Rohr sprengt. Dein Herz rast und du versuchst die Quellen ausfindig zu machen. Du versuchst einen Blick auf die Uhr zu erhaschen, die du am Handgelenk trägst. Es ist 23 Uhr am 31.12.2017. Aufgrund der Tatsache, dass du morgens um halb fünf raus musst, hast du dich einfach hingelegt und versuchst, den Jahreswechsel zu verschlafen. In meiner Jugend war das überhaupt kein Problem, aber heute bin ich beim kleinsten Geräusch wach. Es ist legitim, dass andere den Jahreswechsel feiern, aber ich kann mich nur schwer damit abfinden, dass dies den ganzen Tag getan wird. Du versuchst erneut einzuschlafen, während draußen eine Feuerpause herrscht. Dein Herz rast immer noch, aber du konntest es schnell lokalisieren und sprichst mit dir selbst, dass du zu Hause in deinem Bett liegst. Plötzlich wird alles dunkel, es ist unerträgliche Hitze und du hast Sand in den Augen. Um dich herum ist ein ständiges grollen zu hören. Du liegst im Gebirge in einer Stellung und schaust auf die Verbindungstrasse, zwischen zwei Orten. Ein Beobachtungsauftrag, über drei Tage, egal bei welchem Wetter. Du lachst und flachst mit deinem Beobachter herum. Es ist einer der Aufträge, welche wirklich einfach nur mal Spaß machen und du nicht um dein Leben fürchten musst. In den Nächten ist es ruhiger und man kann sich wirklich mal ein paar Stunden hinlegen um sich auszuruhen. Eine riesige Detonation reißt dich aus deinen Träumen, du drehst dich um und schaust runter auf die Straße, ein riesiger Krater ist zu sehen und ein Auto, welches auf dem Dach liegt und brennt. Die nächste Detonation holt dich in die Realität zurück. Du fällst aus dem Bett, liegst auf dem Teppich und versuchst einen Bodycheck durchzuführen. Ununterbrochen wird gefeuert und du hörst Handgranaten unmittelbar in deiner Nähe einschlagen. *Komm schon orientier dich, wo bist du?* Deine Augen versuchen in der Dunkelheit zu erkennen, wo du gerade bist. Mein Zimmer, mein Boden, mein zu Hause. Deine Knie sind wie weiche Butter und du gehst gebückt zum Fenster. Silvester. Jahreswechsel. Es ist kurz nach null Uhr und die Leute feiern dies ausgiebig. Ich bin klatschnass, schweißgebadet und gehe im Dunkeln die Treppe hinunter. Bloß kein Licht für den Feind machen, damit er dich erkennt. Es klingelt in den Ohren, es dreht sich alles. Du gehst zu deinem Mann ins Schlafzimmer, er steht am offenen Balkonfenster und schaut sich das Feuerwerk an. Du gehst kurz zu ihm, aber du kannst den Lärm nicht ertragen. Die Angst hat deine Blase fast zum Explodieren gebracht und du gehst dich erleichtern. Ganz leise gehst du wieder nach oben und hältst dir einfach nur die Ohren zu. Einer der Nachbarn hat eine Schreckschusswaffe verwendet um das neue Jahr zu begrüßen, diese hört sich an, wie eine Signalpistole. Ohrenbetäubend und einfach nur grausam für mich. Das Getöse geht über eine Stunde, du weinst, weil du nicht weiß in welcher Realität du jetzt festhängst. Plötzlich ist es still. Du lauschst nach deinen Feinden, du hörst keinen. Das weiche und warme Bett entspannen deinen Körper und du versuchst die restlichen Stunden, bis zur Arbeit, noch ein wenig Schlaf abzugreifen. Ich hasse Silvester. Mit einem beherzten Sprung kommt Ziva ins Bett und ich erschrecke erneut, denn es könnte ein Feind in meine Stellung gesprungen sein. Sie stößt mich mit dem Kopf, um mir zu sagen, dass alles ok ist. Sie rollt sich an meinem Bauch zusammen und schnurrt. Ich kraule sie und döse ein. Mein Herz tut weh, es musste in der Nacht einiges aushalten. Du fragst dich, warum du so bestraft wirst, warum es niemals aufhört, warum es kaum einer versteht. Du musst damit leben und das in jedem verdammten Jahr, jeden Monat und an jedem verdammten Tag.

2.1.18 07:04, kommentieren

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Zeit für einen Schlussstrich

Es kommt nicht oft vor, dass ich mich über Freunde ärgere oder enttäuscht bin. Aber im Moment bin ich gerade mehr als enttäuscht von jemandem, dem ich vertraut habe, bei dem ich dachte, es wäre eine Freundin. Als wir uns 2010 das erste Mal begegnet sind, herrschte sofort Sympathie für den anderen. Wir wohnten in einem Loch, aber jeder hatte sein eigenes kleines Reich. Durch das Kennenlernen meines Mannes und meinen direkten Umzug, verlor man sich schnell aus den Augen. Dank Telefon und Internet, war es aber eigentlich ein leichtes, die Verbindung zu halten. Leider war dies immer sehr einseitig, aber ich wollte einfach nicht aufgeben. Als ich sie gebeten habe, die Hochzeitsbilder von uns zu machen, war sie schnell bei der Sache und ich dachte, es renkt sich wieder ein. Sie vergaß jedes Jahr meinen Geburtstag, aber ich dachte dennoch an Ihren. Im Oktober dieses Jahr versuchte ich es ein letztes Mal und sie vertröstete mich auf die kommende Adventszeit. Nun, wir haben heute den zweiten Weihnachtsfeiertag und sie hat sich seit Oktober nicht mehr gemeldet. Überrascht es mich? Nein. Bin ich sauer? Nein. Bin ich enttäuscht? Ja. Ich bin ein Freund klarer Ansagen und ich kann wesentlich besser damit umgehen, wenn man mir sagt, dass man mit mir nichts mehr zu tun haben möchte, als mich ständig zu vertrösten oder anzulügen. Das habe ich einfach nicht verdient. Die ständigen Entschuldigungen, dass man keine Zeit habe, wegen Arbeit oder sonst was, zeigt mir, dass der Mensch nicht in der Lage ist sein Leben zu sortieren. Es ist IMMER Zeit für eine kurze Nachricht oder vielleicht mal ein Telefonat. Ich denke kein Mensch hat so ein Verhalten verdient. Man kann sich auseinander Leben, man kann sich mal kurzfristig aus den Augen verlieren, aber man vertröstet niemanden über zwei Jahre und lügt andere an. Sowas tut weh. Wir hatten viele schöne Tage, es gibt wundervolle Erinnerungen daran, aber ich denke es wird Zeit für mich endlich loszulassen. Sie möchte einfach nichts mehr mit mir zu tun haben und das werde ich so hinnehmen. Ich habe viele neue Leute kennengelernt und schaffe es so gut es geht, mich bei diesen zu melden. Ich bitte euch daher alle, sagt mir einfach, wenn etwas nicht stimmt. Ich habe für vieles Verständnis, nur nicht fürs anlügen.

26.12.17 08:39, kommentieren