Wie ein langer Tag die Erlösung brachte

Die Woche war geprägt von den beiden Phasen. Während in der Woche die depressive Phase überwiegend meinen Körper im Griff hatte, ging es ab Freitag in die Manie. Völlig übermüdet und ohne Rast ging es ins Wochenende. Es ist für viele außenstehende nicht vorstellbar, dass es möglich ist. Der Freitag endete in einer langen Fernsehnacht und maximal einer Stunde erholsamen Schlafs. Der Samstag startete dann mit dicken Augenringen und einem ausgewogenen langen Frühstück. Danach ging es in die Stadt, wo ein wenig Lesestoff gekauft wurde, falls im Fernsehen mal nichts kommt. Der Mann ging danach seiner gewohnten Beschäftigung, der Renovierung der unteren Wohnung nach. Ich ging erst einmal auf die Couch um mich ein wenig zu sortieren. Der Nachmittag war dann für eine Freundin verplant, denn wir wollten zusammen backen. Ich verzichtete auf das Topspiel meines Fußballvereins und bin dann nachmittags zu ihr gefahren. Zunächst verplauderte man sich und fing erst gegen halb fünf an zu backen. Das sollte sich noch rächen. Es war einer der schönsten Nachmittage seit langem. Einfach mal Kaffee trinken, quatschen und jemandem versuchen zu erklären, was denn da jetzt aktuell nicht so stimmt. Nachdem wir dann angefangen haben, den Kuchen vorzubereiten, merkte ich selbst wie mein Körper langsam wirklich schwer wurde und ich enorm müde wurde. War ja so nichts neues, deshalb ignorierte ich das einfach und wir klönten dann noch bis grob halb zehn. Dann wurde es Zeit nach Hause zu fahren. Wie ich selbst merkte, eine ganz ganz schlechte Idee. Der Kuchen war noch mega warm und zerfiel beim Aufschneiden. Das Auge isst zwar mit, aber er war einfach lecker, wenn man an ihm herum naschte. Also eingepackt und ins Auto gestiegen. An der ersten Kreuzung merkte ich schon, dass die Reaktion sehr langsam ist, also passte ich den Fahrstil dementsprechend an. Dadurch dass es schon so spät war, war auf den Straßen in den Dörfern sehr wenig los. Im angrenzenden Dorf wurde ich dann aber glatt von einer Polizeistreife angehalten. Da in einem Dorf ein Oktoberfest stattfand, waren die Polizisten in höchster Alarmbereitschaft. Die ganz normalen Fragen und ein Alkoholtest hielten mich also davon ab, schnell zu Hause anzukommen. Mir fielen die Augen fast zu, als ich die Fahrt fortsetzte. Es wurde ganz eng bis nach Hause. Mit leichten Gleichgewichtsstörungen stieg ich aus dem Auto aus und durch ein Elektroproblem blieb der erwartete Bewegungsmelder aus. Anstatt im Flur schon mal das Licht an zu schalten, blieb der Mann am Fenster stehen und rauchte sich gemütlich eine. Gekonnt ignoriert schnappte ich mir den Kuchen und stapfte nach oben. Schnell in den Kühlschrank gestellt und fix in leichte Klamotten geschält. Ab auf die Couch, durchatmen. Man merkt plötzlich, wie alle Geräusche in den Hintergrund verschwinden. Ein *schläfst du hier gerade ein* und *geh lieber hoch ins Bett* rissen mich aus dem Schlaf. Wäre ja nicht so, dass wir unten keine Decken auf der Couch haben. Anstatt sie einfach drüber zu werfen und mal den Mund zu halten, wird man wieder geweckt und aufgescheucht. Grob in den Schlafanzug geschlüpft und noch fix das Katzenklo gemacht, geht es wankend die Treppe nach oben. Noch kurz den Fernseher angeknipst und schon gingen die Lichter aus. Eine ganz kurze feste Schlafphase ging schnell zu ende, weil Frau vorher zu viel Wasser getrunken hatte. Also noch mal die Treppe nach unten und das ganze Wasser weggebracht. Wieder die Treppe nach oben, ins Bett gefallen und in die Decke gerollt. Und es wurde schnell dunkel. Um 2:35 Uhr werde ich das erste Mal wieder wach. Eine kurze Orientierung und schnell wird klar, es ist Sonntag und man darf nach dem Toilettengang noch ganz lange ins Bett. Als ich mich dann wieder hinlegte, fiel mir das Einschlafen wieder etwas schwer. Also kurz den Fernseher angeknipst, auf etwas Uninteressantes gestellt und es dauerte nicht lange und die Lichter gingen wieder aus. So viele Stunden hab ich schon lange nicht mehr geschlafen. Es war wohl doch anstrengender als gedacht, einen Nachmittag mit quatschen zu verbringen. Dafür ein Dank an meine Freundin. Ich wurde dann unsanft von meiner schwarzen Katze geweckt, die auf der Bettkante lag und bei einer Drehung aus dem Bett fiel und ihre Vorderpfoten mit ausgefahrenen Krallen nach Halt suchten und meine Hand fanden. Auch davon ließ ich mich auch nicht aus dem Bett treiben und drehte mich noch einmal um. Die Sonne schien dann in mein Zimmer und ich schälte mich langsam aus der Decke. Normalerweise sollte man ja jetzt fit sein, aber irgendwie fühlte ich mich kaputter als gestern. Aber ich bin so froh, endlich mal ein paar Stunden Schlaf abgegriffen zu haben. Jetzt heißt es daran anzuknüpfen oder zumindest die Phase der Ruhe zu nutzen um sich zu erholen.

15.10.17 14:05, kommentieren

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Ein auf und ab

Wie lebt man denn jetzt mit so einem Scheiß? Das kann man nicht wirklich beantworten. Im inneren sehnt man die Manischen Phasen herbei, weil in den depressiven Phasen einfach überhaupt nichts geht. Man läuft so dermaßen neben der Spur, dass man nicht einmal weiß, wie man denn überhaupt zur Arbeit gekommen ist. Wichtig ist, man ist da und auch heil angekommen. In den frühen Abendstunden ist man einfach nur müde und kaputt. Um dem Körper etwas Gutes zu tun, legt man sich freiwillig früh ins Bett. In den Schlaf aber kommt man nicht wirklich. Dann schafft man es mal für 1 bis 2 Stunden zu schlafen und wird abrupt wieder aus dem Tiefschlaf gerissen. Die Orientierung fehlt völlig. Man weiß nicht welcher Tag es ist und wo man sich denn befindet. Ein Blick auf das Handy hilft für die Orientierung. Es ist Mittwoch und 01:20 Uhr. Im ganzen Haus ist es still. Die kleine Ziva liegt eingekuschelt in meiner Decke und auch Simba liegt in seinem Bett und schläft tief. Von unten ist nur ein leichtes Schnarchen zu hören. Mir fällt auf, dass ich wohl meine Uhr nach dem duschen im Schlafzimmer hab liegen lassen und bin total nervös deshalb. Sie ist mein Pulsmesser und auch mein Wecker, obwohl ich eigentlich überhaupt keinen brauche. Wenn man schon mal wach ist, kann man auch gleich die Blase entleeren und ein Glas Wasser trinken. Der Kopf dröhnt, als ob man die Nacht durchgesoffen hätte. Innerhalb von fünf Minuten liegt man wieder eingekuschelt in seinem Bett und streichelt Ziva. Sie schnurrt und guckt verträumt nach oben. Auch sie wird denken, *warum bist du wach, ist doch viel zu früh*. Seit zwei Tagen befindet man sich jetzt in der depressiven Phase und es fühlt sich einfach nicht schön an. Die Arbeit zerrt an den Kräften, aber man will sie sich nicht wegnehmen lassen. Es ist im Moment der einzige Weg überhaupt mal raus zu kommen. Von den Medikamenten habe ich mir mehr erhofft, aber vielleicht muss da auch etwas nachdosiert werden. Ich vermisse die Phasen, wo ich mich stundenlang auf mein Fahrrad setzen und einfach mal abschalten konnte. Die Fragen *Wie geht es dir*, *Warum siehst du so blass aus?* sind Fragen die ich nicht immer so einfach beantworten kann. Einige Leute nerven mich auch. Es sind keine Freunde, sondern Menschen mit Daseinsberechtigung. Sie erlauben sich Urteile über etwas, was sie nicht mal nach einer Erklärung verstehen würden. Aber auch da muss man einfach ruhig bleiben. Ist man aber ruhig, wird man gleich wieder abgestempelt, man würde mit Absicht die Leute ignorieren. Was soll man denn machen? Sie anschreien, dass sie dumm und scheiße sind? Kann man machen, aber wenn ich auch noch laut werden würde, würde man mir Aggressivität unterstellen und das bin ich eigentlich nicht. Die traurige Tatsache, dass mein Lebenspartner mit der Situation nicht zurechtkommt, macht mir viel mehr zu schaffen, als mein körperlicher Verfall. Wenn man sich nicht mal die Mühe machen will um sich wenigstens mal einen Tag mit dem Thema auseinander zu setzen, frage ich mich, warum ich es überhaupt erzählt habe. Wenn er mich nur für launisch und faul auf der Couch liegend sehen will, dann würde das vollkommen ausreichen. Einiger meine Freunde machen es genau richtig, denn ich benötige kein Mitleid, sondern einfach nur Unterstützung. Unterstützung kann so einfach sein. Einfach mal schreiben, anrufen oder gar vorbeikommen oder ich fahre einfach mal bei jemandem vorbei (natürlich nur wenn es die depressive Phase zulässt). Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, freuen sich meine Tiger auf die Heimkehr und spüren auch, dass da heute nicht viel geht. Sie legen sich zu mir auf die Couch und fordern mich auf, sie einfach nur zu streicheln. Und das tut so gut. Mir tut es gut und auch den beiden Tigern, die durch die Launen auch nicht immer gut wegkommen. Um nichts auf der Welt würde ich diese beiden missen wollen, denn sie sind wie auch Diego einst, die stillen Psychologen. Ich bewundere die Leute, die in sozialen Netzwerken kennenlernen durfte, die schon über 20 Jahre mit diesen Phasen leben. Kann man sich wirklich daran gewöhnen? Für mich ist es sehr Kräftezehrend und einfach nur lästig. Aber wie sagte einst jemand: *Einfach kann jeder*. Also gegen etwas Einfaches hätte ich im Moment nichts einzuwenden.

11.10.17 09:28, kommentieren