Nächtlicher Impressionismus

Eigentlich habe ich für fünf Wochen die Nachtschicht gewählt, um eventuell einmal zur Ruhe zu kommen. Kein Telefon, keine Führungsabteilung und keine unsinnigen Unterhaltungen. Bis auf den dritten Punkt ist es auch nach einer Woche sehr harmonisch. Für Faszination sorgt der Schlaf, der am Tag einfach besser funktioniert, als in der Nacht. Das wusste ich aber von vornherein, denn Tagsüber sind um mich herum alle wach und passen selbst auf sich und ihr Hab und Gut auf. Nachts habe ich einfach diesen Instinkt, beim kleinsten Geräusch aufzuschrecken und es zu orten. Wenn ich sechs Stunden am Tag durchschlafe, ist ein Durchbruch in meinem Biorhythmus und ich weiß, dass ich eigentlich öfter in der Nacht arbeiten sollte. Leider hat das nächtliche aufbleiben auch einen kleinen Nachteil, ich denke dennoch viel zu viel nach. Ob über mich oder ein paar meiner Freunde, ich kann es nicht abstellen. Die Vergangenheit holt einen immer wieder ein, auch wenn wir in der Gegenwart leben. Wir als Menschen möchten es eigentlich jedem Recht machen und suchen uns den Weg mit dem geringsten Wiederstand. Ich muss es niemandem Recht machen und ab und an wähle ich mit Absicht den Weg gegen den Strom, denn einfach kann jeder. Wenn wir aber zu oft gegen den Strom schwimmen, zerrt das an unseren Kräften und wir müssen bei einigen Vorhaben unsere Reserven anbrechen. Um die Reserven wieder aufzufüllen, benötigen wir aber auch ab und an einfach mal eine Auszeit für uns selbst. Ob mit Partner oder ohne Partner. Es können auch Stunden mit einer Freundin sein oder einfach die Stunden bei der fröhlichen Gartenarbeit. Wichtig ist, dass man den Energiehaushalt immer wieder auffüllt und auch einfach mal Nein sagt. Wenn man nämlich zu oft gestresst ist, oder sich selbst vernachlässigt, dann kommen sie, die kleinen chronischen Zipperlein, die unser Körper gar nicht so cool findet. Sei es Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Kopfschmerzen oder in anderen Fällen sogar Fressattacken. Sobald ich gestresst bin und meinen Körper ignoriere habe ich keinen Hunger und der Schlaf wird Mangelware. So aber tun wir uns selbst nichts Gutes, sondern bestrafen uns körperlich noch mehr, wenn es geistig nicht läuft. Da muss man den Einklang finden. Sei es ein Gespräch mit Freunden, um den Kopf frei zu bekommen, oder einfach ein spannendes Buch, welches man auf der Couch oder in der Sonne genießt. Wichtig ist, man muss es erkennen und selbst handeln. Mit einem Grinsen im Gesicht, schreibe ich dies, denn ich bin wohl selbst der größte Kritiker an meinen Worten. Es ist faszinierend, dass ich theoretisch alles weiß um es besser zu machen, es aber dann auch so zu handhaben ist ein anderer Schuh. Ich fühle mich in der Nachtschicht aber sichtlich wohl, wenn ich auch irgendwie viel mehr arbeite, als in meiner schon recht stressigen Frühschicht. Was aber sehr selten und schön ist, ist die Freude auf das morgendliche Bett. Eigentlich bin ich so ehrgeizig und wollte, wie auch nach der Frühschicht, auf mein Rad und mal eben locker 30 Km fahren. Leider hat das bisher kein einziges Mal geklappt, weil ich einfach viel zu müde bin. Dann versucht man die richtige Entscheidung zu treffen und ich entscheide mich einfach mal für das Bett. Sport kann ich dann auch noch am Nachmittag machen. Die negativen Gedanken, die ich noch vor ein paar Wochen so extrem hatte, sind erst einmal wieder in einer Schublade verschwunden und ich hoffe, dass sie dort eine Weile bleiben. Die Lösung für das Dilemma hab ich noch nicht gefunden, aber man soll ja auch nicht mit dem Feuer spielen, wenn alles ruhig ist. Die Konzentration geht im Moment nur für meinen Mann und ein paar Kleinigkeiten drauf. Da es mittlerweile fast jeden Tag irgendwo ein Anschlag oder Attentat gibt, schockt mich das im Moment nicht ganz so sehr. Ich versuche die Nachrichten auch weiterhin auszublenden und zu ignorieren. Die Freude, über die nächsten 3,5 Wochen Nachtschicht überwiegen alles. Es sind ja bekanntlich die kleinen Dinge, die einem enorme Freude bereiten. Bei mir sind es Freunde, die immer da sind und zuhören.

14.6.17 00:19, kommentieren

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Der wandelnde Geist

Seit ein paar Tagen nun beherrscht der Geist den Körper. Es ist unmöglich sich auf eine Sache zu konzentrieren und an Schlaf ist nicht zu denken. Was ist nur los? Jegliche Spannungen, ob in der Beziehung, auf der Arbeit oder das Chaos in der Welt sorgen dafür, dass man nicht mehr zur Ruhe kommt. Wie in einen Nebel gehüllt geht man durch den Tag. Wenn man auf der Arbeit sitzt, fragt man sich, wie man denn dorthin gekommen ist. Alles ist dumpf. Jedes Geräusch ist ein weit entferntes dumpfes Dasein. Man verspürt keinen Hunger mehr und nimmt nur etwas Flüssigkeit zu sich, damit der Körper nicht ganz nachgibt. Man versucht seine Pflicht zu erfüllen, indem man sich nicht krank meldet, sondern brav zur Arbeit fährt. Dort muss man aufpassen, dass man nicht an den falschen gerät, denn jegliche Konfrontationen schüren die Anspannung und Aggression im Körper. Diese ständigen Wechsel von Aggression in eine Depression können einen wirklich in den Wahnsinn treiben. Die Ursache ist nicht einfach zu finden. Wenn man Pech hat, dann findet man sie gar nicht und man lebt einige Zeit damit. Es ist nicht gut für das Umfeld, nicht gut für die Beziehung und schon gar nicht gut für einen selbst. Der Rückzug ins Ich ist ein Weg, den man für sich alleine wählt, den aber nicht jeder versteht. Man bestraft sich dafür, dass man anders ist. Der Versuch es anderen zu erklären scheitert einfach, weil man es nicht in Worte fassen kann. Normalerweise sollte man bei so einem Wetter mit Aussicht auf ein Wochenende doch richtig happy sein. Aber irgendwie kann man sich nicht freuen, weil man genau weiß, es wird ein trostloses und sehr krampfendes Wochenende. Man erwartet nichts, denn im Grunde ist man froh, wenn man einfach nur amten und liegen kann. Die Kraft die andere immer Sehen ist verschwunden, es ist nur noch ein Kampf überhaupt irgendetwas zu tun. Man möchte den ganzen Tag nur zusammengerollt in irgendeiner Ecke liegen. Es ist aber der verkehrte Weg, denn so rutscht man in ein tiefes Loch ab und kommt nicht wieder raus. Ab und an hilft die Sonne, dass man es schafft doch einige Dinge zu tun, die einem normal leicht von der Hand gehen. Für Außenstehende ist es schwer zu verstehen, denn man versucht andere zu täuschen. Man lächelt, man führt normale Gespräche, aber das kostet so viel Kraft, dass man es nicht lange schafft sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren. Da man auch niemanden vor den Kopf stoßen möchte, igelt man sich einfach zu Hause ein. Weinen reinigt die Seele, aber die Tränen sind ausgetrocknet, so dass die Seele nicht gereinigt werden kann. Man möchte doch einfach nur glücklich sein, mit dem was man hat, auf das was noch kommt. Die Frage, wie man da wieder raus kommt zermürbt einem den Kopf.

26.5.17 09:04, kommentieren