Wie eine Milchglasscheibe

Eigentlich möchte man so viel erledigen. Staubsaugen, Wischen, Auto säubern und unten in der neuen Wohnung helfen. Aber alles fällt so unheimlich schwer. Der Kopf fühlt sich so leer an, obwohl er durch das Denken überhaupt keine Ruhe findet. Es ist alles wie hinter einer Milchglasscheibe. Alles so weit weg. Man ist so froh, wenn man es schafft sich ordentlich anzuziehen um draußen nicht wie der letzte Hobbit rumzulaufen. Wenn man dann für zwei Wochen die helfenden Medikamente absetzten muss, um mit Antibiotikum, einer Angina zu Leibe zu rücken, dann fällt man in ein ganz tiefes Loch. Das schlimme daran ist, dass der Lebenspartner es nicht merkt und einen leider ohne Absicht zum Weinen bringt. Alles fällt unheimlich schwer. Einen Tag mussten wir wohl oder übel wegen einer neuen Küche los fahren. Zwei Stunden Beratung und das anschließende Essen auswärts forderte seinen Tribut. Wimmernd lag ich danach in meinem Bett. Konnte nicht in den Schlaf finden, weil sich alles drehte. Was ist denn nur los, reiß dich zusammen, sage ich immer wieder zu mir selbst. Aber es klappt nicht. Ich fühle mich völlig leer und ausgebrannt, obwohl ich nicht annähernd so viel erledige wie sonst. Selbst die Motivation zu meinem geliebten Radfahren, ist weg. Einfach weg. Die Tage verlaufen alle wie in einem Milchglasschleier. Ein paar meiner Freunde machen sich Sorgen, naja zu Recht nehme ich an. Ich kann mich im Moment nicht wirklich kontrollieren, deshalb verkrieche mich zu Hause. Die Traurigkeit und Niedergeschlagenheit übernimmt die Oberhand. Ohne ersichtlichen Grund ziehe ich mich wie ein Rollmops zusammen und wimmere vor mich hin. Das ist doch kein Leben. Da habe ich nur noch die Leichte Hoffnung, dass die Wiederaufnahme der Medikamente Abhilfe schafft und ich endlich wieder ein fröhlicher Mensch sein kann. Draußen scheint die Sonne und in mir herrscht nur Dunkelheit. Die Angst davor, unkontrolliert Blödsinn zu machen schwirrt immer im Kopf herum, weshalb ich mich schon mit dem Tablett ablenke und versuche Denkspiele zu spielen. Wo ist sie hin, die Unbeschwertheit, die Lebenslust, die Motivation etwas zu erreichen, worüber man sich freuen kann? Die Fragen: Was kann ich tun? Wie kann ich dir helfen? Was meinst du denn, was dir hilft? Das sind Fragen, die ich nicht beantworten kann. Normalerweise sage ich immer was ich denke und auch meine, aber im Moment würden diese Gedanken ganz viele Menschen verletzten, enttäuschen und vielleicht auch aus meinem Umfeld verbannen. Es sind Gedanken, die einfach nicht schön sind, die viele Sachen zerstören und die auch sehr viel Verwirrtheit auslösen. Kleine Unregelmäßigkeiten im Tagesablauf bringen mich so dermaßen aus der Bahn, dass ich den Weg ganz schwer zurück in die Spur finde. Ich hasse mich selbst für etwas, worauf ich keinen Einfluss habe. Ich hasse mich dafür, eine Krankheit zu haben, für die andere verantwortlich sind. Die Ursachen für eine Bipolare Störung liegen in dem Fall weit in meiner Kindheit zurück. Missbrauch, Verwahrlosung und Ignoranz von Menschen, die eigentlich dafür sorgen sollten, dass ein Kind unbeschwert aufwachsen sollte. Man stellt sich Fragen. Warum tut man einem Kind sowas an? Was kann ein kleines Geschöpf dafür, wenn Erwachsene überfordert sind? Warum schafft man sich Kinder an? Mit den Konsequenzen muss ich jetzt leben und zwar fast allein. Die Hilfe meines Mannes, wäre schon wichtig, aber bis heute hat er sich mit dem Thema nicht auseinandergesetzt und schiebt es dank der Renovierung immer weiter vor sich her. Es hilft mir nicht, dass es unter den Tisch fällt. Die Traurigkeit in meinen Augen und meinem Herzen, wird nicht wahrgenommen und auch ich selbst schiebe sie weit weg. Eigentlich bin ich nicht dafür gemacht, dass ich mich selbst belüge oder verstelle, aber anscheinend kommt man sonst mit der Diagnose nicht weiter. Ich kann wirklich nur auf die Ärzte in der LWL vertrauen, dass sie es schaffen mein Leben wieder Lebenswert zu bekommen. Ich war immer für meine Lebensfreude, Aufgeschlossenheit und auch meine lockeren Sprüche bekannt und habe so auch viele Leute zum Lächeln gebracht. Aber es ist weg, einfach weg. Es ist wirklich vergleichbar mit einer Milchglasscheibe. Man kann nur die Umrisse schemenhaft sehen, aber es wird kein klares Bild draus.

4.11.17 13:24, kommentieren

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Wie ein langer Tag die Erlösung brachte

Die Woche war geprägt von den beiden Phasen. Während in der Woche die depressive Phase überwiegend meinen Körper im Griff hatte, ging es ab Freitag in die Manie. Völlig übermüdet und ohne Rast ging es ins Wochenende. Es ist für viele außenstehende nicht vorstellbar, dass es möglich ist. Der Freitag endete in einer langen Fernsehnacht und maximal einer Stunde erholsamen Schlafs. Der Samstag startete dann mit dicken Augenringen und einem ausgewogenen langen Frühstück. Danach ging es in die Stadt, wo ein wenig Lesestoff gekauft wurde, falls im Fernsehen mal nichts kommt. Der Mann ging danach seiner gewohnten Beschäftigung, der Renovierung der unteren Wohnung nach. Ich ging erst einmal auf die Couch um mich ein wenig zu sortieren. Der Nachmittag war dann für eine Freundin verplant, denn wir wollten zusammen backen. Ich verzichtete auf das Topspiel meines Fußballvereins und bin dann nachmittags zu ihr gefahren. Zunächst verplauderte man sich und fing erst gegen halb fünf an zu backen. Das sollte sich noch rächen. Es war einer der schönsten Nachmittage seit langem. Einfach mal Kaffee trinken, quatschen und jemandem versuchen zu erklären, was denn da jetzt aktuell nicht so stimmt. Nachdem wir dann angefangen haben, den Kuchen vorzubereiten, merkte ich selbst wie mein Körper langsam wirklich schwer wurde und ich enorm müde wurde. War ja so nichts neues, deshalb ignorierte ich das einfach und wir klönten dann noch bis grob halb zehn. Dann wurde es Zeit nach Hause zu fahren. Wie ich selbst merkte, eine ganz ganz schlechte Idee. Der Kuchen war noch mega warm und zerfiel beim Aufschneiden. Das Auge isst zwar mit, aber er war einfach lecker, wenn man an ihm herum naschte. Also eingepackt und ins Auto gestiegen. An der ersten Kreuzung merkte ich schon, dass die Reaktion sehr langsam ist, also passte ich den Fahrstil dementsprechend an. Dadurch dass es schon so spät war, war auf den Straßen in den Dörfern sehr wenig los. Im angrenzenden Dorf wurde ich dann aber glatt von einer Polizeistreife angehalten. Da in einem Dorf ein Oktoberfest stattfand, waren die Polizisten in höchster Alarmbereitschaft. Die ganz normalen Fragen und ein Alkoholtest hielten mich also davon ab, schnell zu Hause anzukommen. Mir fielen die Augen fast zu, als ich die Fahrt fortsetzte. Es wurde ganz eng bis nach Hause. Mit leichten Gleichgewichtsstörungen stieg ich aus dem Auto aus und durch ein Elektroproblem blieb der erwartete Bewegungsmelder aus. Anstatt im Flur schon mal das Licht an zu schalten, blieb der Mann am Fenster stehen und rauchte sich gemütlich eine. Gekonnt ignoriert schnappte ich mir den Kuchen und stapfte nach oben. Schnell in den Kühlschrank gestellt und fix in leichte Klamotten geschält. Ab auf die Couch, durchatmen. Man merkt plötzlich, wie alle Geräusche in den Hintergrund verschwinden. Ein *schläfst du hier gerade ein* und *geh lieber hoch ins Bett* rissen mich aus dem Schlaf. Wäre ja nicht so, dass wir unten keine Decken auf der Couch haben. Anstatt sie einfach drüber zu werfen und mal den Mund zu halten, wird man wieder geweckt und aufgescheucht. Grob in den Schlafanzug geschlüpft und noch fix das Katzenklo gemacht, geht es wankend die Treppe nach oben. Noch kurz den Fernseher angeknipst und schon gingen die Lichter aus. Eine ganz kurze feste Schlafphase ging schnell zu ende, weil Frau vorher zu viel Wasser getrunken hatte. Also noch mal die Treppe nach unten und das ganze Wasser weggebracht. Wieder die Treppe nach oben, ins Bett gefallen und in die Decke gerollt. Und es wurde schnell dunkel. Um 2:35 Uhr werde ich das erste Mal wieder wach. Eine kurze Orientierung und schnell wird klar, es ist Sonntag und man darf nach dem Toilettengang noch ganz lange ins Bett. Als ich mich dann wieder hinlegte, fiel mir das Einschlafen wieder etwas schwer. Also kurz den Fernseher angeknipst, auf etwas Uninteressantes gestellt und es dauerte nicht lange und die Lichter gingen wieder aus. So viele Stunden hab ich schon lange nicht mehr geschlafen. Es war wohl doch anstrengender als gedacht, einen Nachmittag mit quatschen zu verbringen. Dafür ein Dank an meine Freundin. Ich wurde dann unsanft von meiner schwarzen Katze geweckt, die auf der Bettkante lag und bei einer Drehung aus dem Bett fiel und ihre Vorderpfoten mit ausgefahrenen Krallen nach Halt suchten und meine Hand fanden. Auch davon ließ ich mich auch nicht aus dem Bett treiben und drehte mich noch einmal um. Die Sonne schien dann in mein Zimmer und ich schälte mich langsam aus der Decke. Normalerweise sollte man ja jetzt fit sein, aber irgendwie fühlte ich mich kaputter als gestern. Aber ich bin so froh, endlich mal ein paar Stunden Schlaf abgegriffen zu haben. Jetzt heißt es daran anzuknüpfen oder zumindest die Phase der Ruhe zu nutzen um sich zu erholen.

15.10.17 14:05, kommentieren